Wenn das Tragwerk zum Limit wird: Warum Datacenter nicht an der Technik scheitern

By Peikko’s blog team

July, 24, 2026

Die wichtigste Entscheidung für die spätere Performance eines Rechenzentrums wird oft getroffen, bevor die erste Leitung geplant ist.

Wer heute ein Rechenzentrum plant, denkt zunächst an Kühlung, Energieversorgung oder die IT-Infrastruktur. Doch viele Anforderungen, die später über Wirtschaftlichkeit, Flexibilität und Betriebssicherheit entscheiden, werden bereits deutlich früher festgelegt: beim Tragwerkskonzept.

Rechenzentren stellen hohe Anforderungen an Tragfähigkeit, Installationsräume und Anpassungsfähigkeit. Gleichzeitig müssen Projekte in immer kürzerer Zeit realisiert werden. Damit rückt eine Frage stärker in den Fokus: Welchen Einfluss hat die Wahl des Tragwerks auf die Gesamtperformance des Gebäudes?

Interessanterweise beschäftigt sich auch die aktuelle Forschung mit genau dieser Fragestellung. Die Fachvereinigung Deutscher Betonfertigteilbau (FDB) kommt in ihrer Veröffentlichung „Treibhauspotenzial vorgespannter Deckensysteme“ zu dem Ergebnis, dass Deckensysteme nicht isoliert betrachtet werden sollten. Die Wahl des Deckensystems beeinflusst das gesamte Tragwerk – von Unterzügen und Stützen bis zu den Fundamenten. Die Autoren empfehlen deshalb, das Tragwerk bereits in frühen Planungsphasen ganzheitlich zu betrachten. (Die Veröffentlichung ist auf der Website der FDB frei zugänglich: FDB Wissensreihe Nachhaltigkeit – Treibhauspotenzial vorgespannter Deckensysteme.)

Dieser Gedanke lässt sich unmittelbar auf den Datacenter-Bau übertragen.

 

Wenn jeder Zentimeter zählt

Der Platzbedarf der technischen Gebäudeausrüstung wächst kontinuierlich. Lüftung, Kühlung, Kabeltrassen, Stromversorgung und Sicherheitstechnik konkurrieren um denselben Raum innerhalb des Gebäudes.

Klassische Tragwerke mit Unterzügen können dabei schnell zum limitierenden Faktor werden. Sie schränken Installationswege ein, erschweren die Koordination zwischen Tragwerksplanung und TGA und führen häufig dazu, dass zusätzliche Gebäudehöhe geschaffen werden muss.

Unterzugsfreie Konstruktionen schaffen hingegen freie Installationsbereiche über die gesamte Geschossfläche. Dadurch lassen sich technische Anlagen flexibler anordnen und spätere Anpassungen einfacher umsetzen. Gleichzeitig kann die verfügbare Gebäudehöhe effizienter genutzt werden.

 

Unterzugsfreie Konstruktion für freie Installationsführung dank DELTABEAM<sup>®</sup> Slim-Floor-Lösung

Unterzugsfreie Konstruktion für freie Installationsführung dank DELTABEAM® Slim-Floor-Lösung

 

Dieser Aspekt wird häufig unterschätzt: Muss ein Gebäude aufgrund von Tragwerksgeometrien höher ausgeführt werden, vergrößert sich auch das zu klimatisierende Raumvolumen. Gerade bei Rechenzentren können sich solche Entscheidungen über die gesamte Nutzungsdauer auf den Energiebedarf und die Betriebskosten auswirken. Das Tragwerk beeinflusst damit nicht nur die Konstruktion, sondern indirekt auch den späteren Betrieb des Gebäudes.

 

Warum integrierte Tragwerkslösungen an Bedeutung gewinnen

Vor diesem Hintergrund rücken Slim-Floor-Konstruktionen in den Fokus, denn die tragenden Elemente sind hier in die Deckenebene integriert.

Der entscheidende Vorteil liegt im konstruktiven Prinzip: Wenn tragende Bauteile nicht unterhalb der Decke angeordnet werden, sondern in sie integriert sind, entstehen durchgängig nutzbare Installationsräume. Gleichzeitig lassen sich Grundrisse mit wenigen Stützen realisieren, was die technische Planung deutlich vereinfacht.

Gerade für Rechenzentren ist das relevant. Große zusammenhängende Flächen erleichtern die strukturierte Führung von Kabeltrassen, Kühl- und Versorgungssystemen und schaffen gleichzeitig die Voraussetzung für flexible Layouts – etwa bei veränderten Rack-Anordnungen, unterschiedlichen Anforderungen in Colocation-Umgebungen oder zukünftigen Erweiterungen.

 

Ein weiterer Aspekt betrifft die konstruktive Integration von Funktionen, die in klassischen Lösungen häufig separat behandelt werden müssen. Dazu gehören beispielsweise der Brandschutz, die Einbindung von Installationen in die Tragstruktur sowie die Reduzierung von Schnittstellen zwischen Gewerken.

Systeme, die solche Anforderungen konstruktiv mitdenken, können Planungsprozesse vereinfachen und Abstimmungsaufwände deutlich reduzieren.

 

Hinzu kommt ein Effekt, der sich erst auf den zweiten Blick zeigt:

Durch schlankere Konstruktionen kann die Gebäudehöhe effizienter genutzt werden. In vielen Fällen entsteht dadurch zusätzliche nutzbare Fläche bei gleicher Kubatur – oder das zu klimatisierende Volumen wird reduziert.

Gerade im Datacenter-Betrieb wirkt sich das unmittelbar auf Energiebedarf und Betriebskosten aus.

Gleichzeitig unterstützt der hohe Vorfertigungsgrad von Slim-Floor-Systemen einen schnellen Baufortschritt – ein wichtiger Faktor in einem Markt, in dem jede frühere Inbetriebnahme über Wirtschaftlichkeit und Kapitalrendite entscheidet.

 

Ein Blick in die Praxis

Wie sich diese Zusammenhänge konkret auswirken können, zeigt das DATA4 Data Center im polnischen Jawczyce bei Warschau. Das dort realisierte Datacenter umfasst rund 7.200 m² Nutzfläche und 7 Geschosse und ist Teil eines größeren Campus mit einer Leistung von 60 MW.

Durch eine konsequent unterzugsfreie Deckenkonstruktion in Form von DELTABEAM® Verbundträgern konnte die technische Infrastruktur freier geführt werden. Gleichzeitig wird die effiziente Kühlung der IT-Bereiche unterstützt – ein entscheidender Faktor für die Betriebskosten über die gesamte Nutzungsdauer.

Das Beispiel zeigt, dass Tragwerksentscheidungen weit über statische Fragestellungen hinausgehen. Sie beeinflussen die technische Planung, den Bauablauf und letztlich auch die Betriebsphase eines Rechenzentrums.

 

DELTABEAM<sup>®</sup> Slim-Floor-Konstruktion im Einsatz beim DATA4 Data Center, Warschau, Polen

DELTABEAM® Slim-Floor-Konstruktion im Einsatz beim DATA4 Data Center, Warschau, Polen

 

Fazit

Die Diskussion über leistungsfähige und nachhaltige Rechenzentren sollte nicht erst bei Kühlung, Energieversorgung oder Betriebskonzepten beginnen. Viele der entscheidenden Weichen werden bereits in einer deutlich früheren Phase gestellt.

Die Ergebnisse der FDB-Untersuchung unterstreichen, wie stark die Wahl eines Decken- und Tragwerkssystems die Gesamtperformance eines Gebäudes beeinflussen kann. Für Rechenzentren bedeutet das: Tragwerk, TGA, Bauablauf und spätere Nutzung sollten nicht getrennt voneinander betrachtet werden.

Slim-Floor-Systeme sind dabei kein Selbstzweck. Ihr Potenzial liegt darin, technische Freiräume zu schaffen, Bauprozesse zu unterstützen und die Grundlage für langfristig anpassungsfähige Rechenzentren zu legen.

In Rechenzentren zeigt sich: Die größten Einschränkungen entstehen selten aus der Technik – sondern aus den Entscheidungen, die vorher getroffen wurden. Das Tragwerk ist eine davon.

 

Weitere Informationen und Praxisbeispiele finden Sie auf der Datacenter-Landingpage von Peikko:

Tragwerkslösungen für Rechenzentren

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